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1998

07.03.1998 Die Bundesliga

Endlich ist sie da, die "upper class" der Architekten-"Bundesliga", um auch das alte historisch gewachsene Regensburg mit ihrer 70er-Jahre-Betonklotz-"Architektur" zu verschandeln. Dem Eigentümer des Grundstücks bleibt offensichtlich nichts anderes übrig, als die Entwürfe als "mutig" zu bezeichnen. Kurt Werner, der Chef des Stadtplanungsamtes, und Dr. Martin Harzenetter, Leiter der Denkmalbehörde stehen voll und ganz hinter den "Architekten" und um diese Klötze schmackhaft zu machen, wird fleißig mit "Kunst" geworben, die dort mit einziehen soll. Völlig in Vergessenheit sind die ursprünglichen Entwürfe des Herrn Scheuerer geraten. Sie werden einfach totgeschwiegen. Auch ist es nicht ganz richtig, dass Herr Scheuerer "sich lange über die optimale Lösung für diesen sensiblen Ort mit Stadtplanern und Denkmalschützern beriet" und "sich schließlich entschloss, einen Wettbewerb auszuloben". Herrn Scheuerers Pläne wurden von den beteiligten Behörden verhindert und ihm blieb letztendlich nichts anderes übrig, als den ihm aufgezwungenen Wettbewerb auszuloben.

16.03.1998 Spannende Sichtachsen

Ja, spannende Sichtachsen und ein Skulpturenpark im Garten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte dieses Ortes nicht nur beleidigt, sondern total vernichtet werden soll. Der alte Turm, der für diesen Bau komplett abgerissen werden soll, besteht ja im unteren Teil seit dem frühen 14. Jahrhundert, weshalb ich mich schon fragen muss, warum die Denkmalpflege bei der Sitzung keine Stimme erhielt und erst im Genehmigungsverfahren Stellung beziehen darf. Diese ist "mit keinem der vier Modelle 100-prozentig glücklich", so kommentiert es Herr Dr. Harald Grieß.

23.03.1998 Das Entsetzen

Wie man an den Leserbriefen erkennt, sind einige entsetzt über diese Betonklotzverschandelung:

26.03.1998 Städtebauliche Kontinuität

Dass die Mitglieder des Stadtplanungsausschusses diesen Betonklotz als eine Fortführung der "städtebaulichen Kontinuität" bezüglich des torbewehrten Stadteingangs seit der Römerzeit ansehen, sagt einiges sowohl über deren Geschichtsverständnis als auch über ihr ästhetisches Empfinden aus.

31.03.1998 CD-Regal

In den Leserbriefen der MZ will sich immer noch keine Begeisterung einschleichen, im Gegenteil, bei den Bürgern hat sich schon ein Spitzname für den ungeliebten Betonklotz etabliert: "CD-Regal".

04.04.1998 Unglückliche Kirche

Noch ist die evangelische Kirche unglücklich über den geplanten Neubau, weil sie Nachteile für den angrenzenden Kindergarten befürchtet. Wird die Kirche eines fernen Tages wieder glücklich sein?

09.04.1998 Unbequeme Fragen

Helmut Wilhelm, Gründer des "Forum Regensburg für die Erhaltung der Altstadt von Regensburg" schrieb heute einen Brief an Herrn Dr. Harzenetter, den Leiter des Amtes für Archiv- und Denkmalpflege, in dem er einige unbequeme Fragen aufwirft, die sich doch sehr spannend lesen.

09.04.1998 Hochsensible Situation

Einer der wenigen, die die hochsensible Situation am Peterstor erkannt haben: Professor Glaser.

14.04.1998 Bloß nicht zuviel sagen

Aus dem Munde von Herrn Dr. Harzenetter quoll leider in seinem Antwortschreiben an Herr Wilhelm nicht mehr als ganz viel heißer Dampf und eine kleine Beruhigungspille (zu erwartende Ablehnung).

22.04.1998 Abgeschlossener Wettbewerb

Übersetzt heißt es in dem Artikel: Betonklotz im 70er-Jahre-08/15-Stil zerstört Altstadt-Flair.

23.04.1998 Fürsprache

Im Planungsausschuß outet sich Hans Schaidinger (OB) erstmals als Befürworter der Verschandelung.

23.04.1998 Die Koryphäen

Auch Planungs- und Bauordnungsamt sind von der Zerstörung alter Kulturgüter äußerst begeistert. Laut Herrn Schaidinger wird sich der maßgeblich von ihm höchstpersönlich ins Leben gerufene Gestaltungsbeirat angeblich nicht mit dem Peterstor befassen. Warten wir die Ereignisse mal ab.

30.04.1998 Der Gestaltungsbeirat

Heute beschließt der Stadtrat die Einrichtung eines Gestaltungsbeirats und seine Geschäftsordnung.

05.05.1998 Die Relativierung

Keine zwei Wochen ist es her, dass Hans Schaidinger noch behauptete, der Gestaltungsbeirat würde sich nicht einmischen, doch nun wird es schon mal vorsichtig in Erwägung gezogen. Schau'n mer mal.

11.05.1998 Städtebauliches Unding

Bisher gab es in allen Leserbriefen keinerlei positive Resonanz, auch nicht hier von Evelyn Partsch.

14.05.1998 Bitte, bitte, Herr Schaidinger

Vom Landesdenkmalrat aus München kam die dringliche Bitte, das Projekt noch mal zu überdenken. Warum der Landesdenkmalrat nicht im Vofeld schon informiert wurde, erst aus der Presse davon erfahren hat und bis heute noch keine Pläne gesehen hat, bleibt wohl Herrn Schaidingers Geheimnis.

18.06.1998 Witzig und wichtig

Herr Baureferent Dr. Günter Stöberl glaubt, witzig zu sein, indem er den Bau von Kirchtürmen und mittelalterlichen Geschlechtertürmen mit der Verschandelung gewachsener Strukturen gleich setzt, womit er seinen wichtigen Posten missbraucht, um Beton-Immobilienhaien eine Stimme zu geben. Pfui!

25.06.1998 Der Überzeugte

Der Herr Architekt Prof. Klaus Kada scheint wirklich überzeugt von seinem eigenen Gesülze zu sein. Übrigens hat er wohl auch nichts davon mitbekommen, dass Herr Scheuerer 1996 schon ein komplett fertiges Konzept geplant hatte, welches sich wunderbar in den Stadtgraben eingefügt hätte. Hätte!

25.06.1998 Die Beförderer

Ich glaube nicht, wie Herr Götz, daß sich "die Stadt als Diener eines kommerziell denkenden Bauträgers betätigt", sondern daß die Stadt Herrn Scheuerer dazu befördert hat, kommerziell(er) denken zu müssen, weil sie ihm diesen riesigen Klotz regelrecht aufgedrängt hat. Dieser Klotz kostet ja nun mal um einiges mehr als die ursprüngliche Planung, muss also um vieles mehr Gewinn abwerfen.

28.07.1998 Der Zyniker

Also zuerst schmettert man  zwei Jahre lang die Entwürfe von Herrn Scheuerer ab, zwingt ihn, ein teures und zeitaufwendiges "Optimierungsverfahren" durchzuführen und sich wegen des hässlichen Siegermodells in der ganzen Stadt unbeliebt zu machen und dann behauptet Baudirektor Saule mit einem nicht zu überbietenden Zynismus, der Landesdenkmalrat würde den Bauherrn unfair handeln.