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Der Saubär des Jahres 2016: Das Modular Festival

Der gesamte Wittelsbacher Park in Augsburg ist ein Landschaftsschutzgebiet, welches von der Stadt mit einer besonderen Verordnung vom 10.03.1980 unter Schutz gestellt wurde. Das ficht unseren grünen Umweltreferenten Reiner Erben (der eigentlich dafür da ist, die Umwelt zu schützen. Anm. d. Autors) nicht an, den Park durch das Festival mit ca. 30.000 Besuchern verschandeln zu lassen. Auch die Auflagen, die die Stadt erteilt hat, haben dabei nichts genützt, diese sind weitestgehend ignoriert worden, wie man an folgender Dokumentation der Missachtungen sehr gut erkennen kann:

Auflage: Das Befahren der Grünflächen mit schweren Geräten ist nicht zulässig.

Realität: Es gab kaum einen Quadratmeter, der von irgendwelchen Fahrzeugen verschont blieb.

Auflage: Sämtliche Reinigungsarbeiten im eingezäunten Bereich sind durch den Sondernutzer zu erbringen.

Realität: Die AWS hat die Flächen gereinigt. Offen bleibt, wer die Kosten dafür übenommen hat.

Übrigens parken die Fahrzeuge der AWS auch auf den Grünflächen, auf Anfrage eines Bekannten bei der Leiterin des Grünamtes, Frau Vedder, ein ganz normaler Vorgang, der auch nicht geändert wird.

Leider hat die AWS nur grob gereinigt, danach blieb noch einiges übrig. Zustand nach der Reinigung:

Auflage: Es dürfen keine Kabel und Leitungen in und an den Bäumen verlegt werden.

Realität: Es wurden Kabel und Leitungen in den Bäumen verlegt, einige Baumkronen mit riesigen Strahlern ausgeleuchtet und ein nicht unwesentlicher Teil der Bäume mit Plastikdeko behängt.

Auflage: Zum Aufbau der Bühne darf die Wiese nur bei trockener Witterung mit schweren Maschinen (Teleskoplader, Geländestapler) befahren werden.

Realität: Diese Auflage war dem Auf- und Abbauteam völlig egal, wie man an den Fotos sehen kann:

Auflage: Die Grünanlage darf nur mit Fahrzeugen, welche unabdingbar für den Aufbau sind, befahren werden.

Realität: Nicht jeder hielt sich daran, zumindest die Besitzer dieser Fahrzeuge nicht, die im Unterholz parkten:

Auflage: Das Befahren der Grünanlagen ist nur auf den befestigten Wegen gestattet.

Realität: Dutzende Male wurde unnötigerweise mit diesem Fahrzeug über die Wiese gefahren. Grund: Der Weg bis zum LKW war ein paar Meter kürzer, als über den (vorgeschriebenen) geteerten Weg:

Auflage: Die Wiese darf bei feuchtem Zustand (Regen, Regen am Tag/Stunden davor) nicht betreten bzw. benutzt werden.

Realität: Anhand der Bilder kann man gut erkennen, dass dieser Punkt völlig vergessen worden ist:

Auflage: Die Zufahrt der genehmigten Fahrzeuge kann nur über die Gögginger Straße sowie über die Rettungszufahrt Rosenaustraße erfolgen - nicht über die Imhofstraße.

Realität: Dieser riesige Sattelanhänger wurde über die schmale Einfahrt von der Imhofstraße her in den Park gebracht, wo er nicht zwischen den Bäumen durch passte. Der Abtransport gestaltete sich schwierig, da der weiche Untergrund der unbefestigten Wege für derlei Fahrzeuge ungeeignet war:

Zusätzlich zu den gezeigten Missachtungen der Auflagen wurde an einigen Stellen der Boden lackiert:

Außerdem wurden hier und da ein paar Äste abgesägt, um mehr Platz für Fahrzeuge zu schaffen:

Also, wie Sie sehen, war das Modular-Festival eine tolle (Plastik-)Konfettiparty für Naturschänder:

Diese Dokumentation erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich nahm nur die schönsten Bilder.

31.05.2016 Die Verharmlosungskampagne beginnt

Direkt nach dem Ende des Festivals begannen verschiedene Medien, der Umweltreferent und Andere, eine beispiellose Verharmlosungs- und Relativierungskampagne zu starten, angefangen mit einem Artikel in der Augsburger Allgemeinen, in dem - ganz harmlos - "das Gras gelitten hat" (R. Erben). Das konnte ich leider nicht unbeantwortet lassen und schrieb einen kleinen Leserbrief an die Zeitung:

06.06.2016 Das Fotoshooting

Nicht weil es selbstverständlich wäre oder weil es der Anstand gebietet, sondern weil sie die Kritik "nicht auf sich sitzen lassen wollten", haben die Leute endlich angefangen, ihren Müll aufzuräumen.

Zumindest sollte es auf diesem Foto so aussehen, was leider nicht der Realität entsprach. An vielen Stellen blieb immer noch u.a. Plastikkonfetti (nicht Papierschnipsel, wie im Artikel behauptet) übrig, wobei doch heutzutage jeder weiß, was Mikroplastik anrichten kann. Hier ein Foto vom 08.06.2016:

Nicht nur, weil die Müllpenner ihren Müll immer noch nicht vollständig aufgeräumt hatten und in der Augsburger Allgemeinen darüber dreiste Lügen verbreiteten, sondern auch weil ich wegen meiner Kritik und dieser Dokumentation von einer ganzen Horde dieser Leute sowohl bei Facebook, als auch per E-Mail und über andere Kanäle regelrecht gestalkt wurde, bin ich, was nicht so oft passiert, ein wenig sauer geworden. Und damit ich nicht platze, habe ich dieses Video am 08.06.2016 gedreht:

Die Wikipedia-Lüge

In diesem -> Wikipedia-Artikel über das Modular heißt es: "Ein Vogel-Monitoring ergab, dass die im Park nistenden Vögel nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden". Das ist schlicht und einfach gelogen, oder sagen wir - harmlos ausgedrückt - ein bißchen schön geredet und das Wesentliche weggelassen. In einem Auszug des Gutachtens, der mir vorliegt, heißt es dazu: "Gravierende Störungen bei der Fütterung während der 3 Tage Modular können nicht ausgeschlossen, aber auch nicht bewiesen werden. Einfache Abhilfe wäre, die Veranstaltung auf einen Termin außerhalb der Brutzeit (etwa ab Mitte Juli) zu legen", d.h. der Zeitpunkt des für 2017 geplanten Festivals (15. -17.06.) würde in die relevante Aufzucht- und Fütterungszeit fallen. Abschließend heißt es in dem Bericht: "... dass jedoch die dringende Empfehlung ausgesprochen wurde, für die kommenden Jahre geeignetere Veranstaltungsorte für Großveranstaltungen verfügbar zu machen. Insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass aus ornithologischer Sicht eine Ausweitung der Besucherzahlen nicht für tragfähig gehalten wird und der Veranstaltungszeitraum während der Vogelbrutzeit als denkbar schlecht eingestuft wird". Diese Aussage verstehe ich ganz anders als die Version aus dem Wikipedia-Artikel.

Beweismittel: Screenshot Wikipedia

Die arme Ente

Nachdem schon während und kurz nach Ende des Festivals (nicht nur von mir) Kritik an den Schäden, die das Festival verursacht hat, aufgekommen war, hat das Festkommitee gleich mit einer Kampagne begonnen, um zu "beweisen", dass das Festival sich nicht schädlich auf die Tierwelt ausgewirkt hat. Begonnen hat mit einem Zeitungsartikel die Augsburger Allgemeine als Erfüllungsgehilfe von Harry Winderl, dem Chef des Parkgartens, einem Biergarten, der Bestandteil des Modular-Festivals war. Treffender als im Kommentar, den jemand unter den Artikel gepostet hat, kann ich es nicht sagen:

"Eine rührende Tiergeschichte, jedoch schlechtes Beispiel, um davon allgemein abzuleiten, die Wildvögel im Wittelsbacher Park seien durch das Modular Festival nicht beeinträchtigt worden.

1) Stockenten sind in ihrer Nistplatzwahl generell sehr kreativ.

2) Stockenten testen einen Nistplatz zunächst dadurch, dass einzelne Eier abgelegt werden, diese zeitweilig verlassen werden, um festzustellen ob das Nest als sicher angesehen werden kann. Erst danach legen Stockenten ihre restlichen Eier ab, sitzen dann im Gegensatz zu anderen Wildvögeln jedoch sehr fest auf ihrem Gelege, da die Entenmutter durch ihre eigene Tarnfarbe quasi das Nest zu tarnen versucht. Eine Stockente lässt sich folglich extrem schwer von ihrem Brutplatz verscheuchen, weswegen weibliche Stockenten überdurchschnittlich häufig Opfer von natürlichen Feinden, wie Füchsen werden und daher in manchen Populationen viel mehr Männchen als Weibchen gezählt werden.

3) Völlig anders sieht das Brutverhalten vieler anderer heimischer Singvögel aus, die bereits bei geringfügigen Störungen Nester fluchtartig aufgeben, was zu einem Absterben der Brut führt.

4) Aus diesem Grund ist es nach § 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG (Bundesnaturschutzgesetz) verboten, u.a. europäische Vogelarten während Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören.

Das Modular Festival verstößt durch die Wahl seines Veranstaltungsortes und Zeitpunktes in mehrfacher Hinsicht gegen § 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG, da Vögel und andere Wildtiere durch Auf-und Abbaumaßnahmen, Installation von technischer Ausrüstung und Dekoration in Bäumen und Gehölzen, Lärm- und Lichtbelästigung erheblich in ihrer Aufzuchtzeit gestört werden.

Ein nochmaliges Abhalten des Modular Festivals im Wittelsbacher Park ist daher insbesondere aus Naturschutzgründen entschieden abzulehnen."

Im Artikel der AZ heißt es: "Winderl hat sich schon fest vorgenommen, die kleinen Entlein nach Kräften zu beschützen." Und wie das aussieht, kann man an folgendem Screenshot von RT1 sehen. Dort kann man nämlich bestaunen, dass der Herr Entenbeschützer der Ente Weißbrot zu fressen gibt, was sich äußerst negativ auf das Verdauungssystem einer Ente auswirken kann, weil es zu viel Salz enthält und im Magen der Tiere aufquillt. Außerdem entstehen dadurch noch andere Probleme.

...
Warum Agatha die vielleicht berühmteste Ente der Stadt ist - weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Warum-Agatha-die-vielleicht-beruehmteste-Ente-der-Stadt-ist-id37959427.html

Das Video wurde von RT1 wieder gelöscht, nachdem ich es in meiner Dokumentation verlinkt hatte.

Damit noch mehr neugierige Leute der Ente auf die Eier gehen, hat auch a.tv ein Video gesendet:

Auf dem Screenshot rechts ist gut zu sehen, dass jemand die Wildentenküken auf die Hand nimmt.

Zwei Tage später erschien dann eine ganze Serie mit Artikeln über das Verschwinden der Ente samt ihrer Küken, welches natürlich nicht am Modular-Festival lag oder an Harry Winderl, der meinte, Wildenten seien zum Streicheln und Quälen durch Weißbrotfütterungen da, nein, sie wurde geklaut! Artikel 1 (AA), Artikel 2 (AA/Facebook), Artikel 3 (v. 23.06., AA), und hier noch weitere "Infos":

Zu allem Überfluss haben die Parkgarten-Leute auch noch die Eier der Ente herumgetragen, wie man links in der Facebook-Unterhaltung lesen kann. Das ist sicher ein Ansporn für die Entenmutter, für immer bei Herrn Winderl zu bleiben, wenn man so rundum versorgt wird.

Die armen Meisen

Während OB Gribl dem SJR 75.000 € schenkt, damit der damit das Landschaftsschutzgebiet platt walzen kann, denkt er nicht an die Meisen, die zu der Zeit brüten. Hier eine Erinnerungsstütze:

Gutachten über die Nachhaltigkeit des Modular-Festivals 2016

Worum es wirklich geht, kann man gut aus folgendem Chat mit einer Mitverantwortlichen entnehmen:

Sie haben gewonnen

Es war ein Pyrrhussieg, teuer erkauft und mit hohen Verlusten, aber letztendlich haben sie gesiegt. Das Modular-Festival findet nächstes Jahr wieder im Landschaftsschutzgebiet Wittelsbacher Park statt, womit wir leider einmal mehr damit rechnen müssen, den Park danach nicht wiederzuerkennen. Um sich das Recht zu erkämpfen, haben sie gelogen, dass sich die Balken biegen, haben sich mit ihren Förderern, gewissen Parteien und Unternehmen, die neue Säufer brauchen, ins Bett gelegt. Stimmvieh soll herangezüchtet werden, um auch das Heranwachsen der neuen Stammtischgeneration zu sichern, denn Säufer sind willige Konsumenten und Produzenten, der Alkoholsucht sei es gedankt. Jugendliche werden in Massen verführt, zu viel Alkohol zu trinken, so dass sie gar nicht mehr mitbekommen, was um sie herum geschieht und denen demzufolge auch der Park völlig egal ist. Hauptsache, es wird gesoffen und die Welt um einen herum dreht sich schneller und schneller, doch sollte ich zwischendurch ab und zu innehalten und überlegen, ob ich denn nun wirklich gewonnen habe, denn wenn ich mich für meinen Sieg verbiegen muss und damit meine Natürlichkeit verliere, dann ist es nur scheinbar ein Sieg, denn in Wirklichkeit ist es der Verlust meiner eigenen Persönlichkeit.